Was geschieht, wenn selbst Luft zur Ware wird?

Was geschieht, wenn selbst Luft zur Ware wird?
Photo by Ant Rozetsky / Unsplash

Genau das haben wir uns – drei Studentinnen aus dem Seminar Nachhaltigkeit und Aktivismus an der Universität Hamburg – gefragt.

Von Anfang an wollten wir mit unserem Projekt frische Luft auf die weltweite Luftverschmutzung aufmerksam machen. Uns war wichtig, den Wert sauberer Luft in den Vordergrund zu stellen – aber nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern kreativ, ein bisschen provokant. Unsere Aktion sollte überraschen und gleichzeitig zum Nachdenken anregen.

Die Idee: Wir verkaufen frische Luft – abgefüllt in Flaschen mit selbst gestalteten Etiketten. Natürlich nicht einfach irgendwo abgefüllt, sondern am malerischen Hamburger Elbstrand. Genau dort, wo täglich die großen Containerschiffe vorbeiziehen und die Luft verschmutzen. Man sieht’s der Luft zwar nicht an – aber sie ist eben längst nicht so sauber, wie man denkt.

Unser erster „Verkauf“  fand beim Campusfest 2025 auf dem Uni-Flohmarkt statt. Zwischen all den Ständen mit Kleidung, Büchern und Trödel bauten wir unseren kleinen Verkaufsstand auf. Mit dabei: sechs Flaschen frische Luft, Plakate und QR-Codes mit Hintergrundinformationen für alle, die tiefer ins Thema einsteigen wollten.

Denn wer rechnet bitte auf einem Flohmarkt mit dem „Verkauf“ von etwas, das eigentlich allen gehört?

Und dann wurde es spannend.

Die meisten Passant:innen blieben neugierig stehen, kaum jemand ging wortlos vorbei. Es entwickelten sich offene Gespräche und ein interessierter Austausch. Manche kannten das Problem Luftverschmutzung gar nicht so genau, andere waren überrascht, wie absurd es eigentlich ist, Luft als Ware darzustellen. Genau dieser offene Austausch war für uns das Schönste an der Aktion, weil wir gemerkt haben, dass wir Menschen wirklich erreicht haben.

Tatsächlich wollten einige Menschen die Flaschen sogar kaufen. Wir wollten die Luft natürlich nicht wirklich verkaufen, aber wir haben die Spenden gerne angenommen und sie an Viva con Agua weitergeleitet. Am Ende haben wir nur zwei Flaschen wieder mit nach Hause genommen und somit vier von sechs Flaschen gegen Spenden weitergegeben. Auf diese Weise haben wir 20 Euro für den guten Zweck gesammelt. Für Luft. Etwas, das jeder von uns ständig atmet.

Alles in allem war die Aktion ein kleiner Erfolg. Nicht, weil wir tatsächlich Luft verkauft haben, sondern weil wir mit unserer kreativen und auch provokanten Aktion Aufmerksamkeit für das dringende Problem der Luftverschmutzung schaffen konnten. Und wer weiß – vielleicht entstehen daraus noch weitere Aktionen, mit denen wir noch mehr Leute für das Thema sensibilisieren können.